Jahresrückblick 2016: Bücher

Letztes Jahr hab ich nicht nur Comics gelesen. Allerdings glaube ich, dass ich mehr Comics gelesen habe als Bücher. Wie bei den Comics möchte ich hier meine beiden Lieblingsbücher von 2016 vorstellen. Anders als die Comics sind die nicht 2016 erschinen sondern früher, aber ich habe sie eben vergangenes Jahr gelesen.

Das Rosie-Projekt

Don will heiraten. Dazu fehlt ihm nur noch eine Frau. Allerdings sind die herkömmlichen Methoden, eine Frau zu finden, äußerst ineffizient. Also will Don auf wissenschaftliche Weise an die Sache herangehen. Er entwickelt also einen Fragebogen, mit dem er schon mal eindeutig ungeeignete Kandidatinnen ausschließen kann. Das heißt u.a. Raucherinnen, Unpünktliche und Veganerinnen.
Im Laufe dieses Ehefrau-Projekts lernt Don Rosie kennen, die eindeutig ungeeignet ist (raucht, ist unpünktlich, arbeitet als Barkeeperin). Er hilft ihr, ihren leiblichen Vater zu suchen, und nach und nach wird sein Leben auf den Kopf gestellt, ohne dass er so recht erklären könnte, warum…

Höchst amüsant, dieses Buch. Lest einfach mal rein, hier ist eine Leseprobe.

Und hier erzählt der Sprecher des deutschen Hörbuchs etwas über das Buch:

Graeme Simsion
Das Rosie-Projekt
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN: 978-3-596-19700-2

Blood on Snow. Der Auftrag

Am Anfang fand ich es recht plump, wie erstmal quasi die Checkliste der Charakteristika von Psychopathie abgeklappert wird, um den Protagonisten, Olav, einzuführen. Aber es wird schnell besser und entwickelt sich zu einem äußerst spannenden aber auch komischen Thriller über einen Auftragsmörder, der die Frau seines Auftragsgebers töten soll, sich aber in diese verliebt.

Hier gibts eine Leseprobe.

Jo Nesbø
Blood on Snow. Der Auftrag
Ullstein
ISBN: 978-3-550-08077-7

Jahresrückblick 2015: Bücher

Hier ist eine Liste meiner drei Lieblingsbücher 2015. Also der Bücher, die ich im vergangenen Jahr gelesen habe. Erschienen sind sie alle schon früher. Gemeinsam haben sie alle drei, dass der Nachname ihrer Autoren vier Buchstaben hat. Ich habe 2015 nämlich nur Bücher von vierbuchstabigen Autoren gelesen. Dieses Jahr kommen die mit fünf Buchstaben dran, also z.B. Douglas Adams, James Joyce und Marc-Uwe Kling.

Die Bücher sind:

Andy Weir – Der Marsianer

Zu diesem Buch kam vor ein paar Monaten eine Verfilmung in die Kinos, genau während ich das Buch las. Ich habe die Verfilmung noch nicht gesehen, weil ich das Buch erst zuende lesen wollte und weil ich zu dem Zeitpunkt gerade in den USA war, wo die Kinotickets anscheinend deutlich teurer sind als bei uns.

Aber zum Buch: Das Buch ist geschrieben als das Logbuch von Mark Watney der nach einem Unfall bei einer Mars-Mission für tot gehalten und auf dem Mars zurückgelassen wird. Darin beschreibt Watney mal mehr, mal weniger zuversichtlich, mal wissenschaftlich-nüchtern und mal sarkastisch, aber immer unterhaltsam zu lesen, wie er versucht auf dem Mars zu überleben, bis Hilfe eintrifft. (Wobei ein Problem erstmal auch noch ist, dass er nicht mit der Erde oder seinen Kollegen kommunizieren kann, also alle ihn noch für tot halten.)

Das Buch ist außerdem ein kleiner Lobgesang auf Duct-Tape:

„Ja, natürlich funktioniert Klebeband im Beinahe-Vakuum. Klebeband funktioniert überall. Klebeband ist Magie und sollte angebetet werden.“

(S. 306)

Eine sehr schöne Stelle war auch noch der erste Chat von Watney mit der Erde, als das wieder möglich gemacht wurde:

[12:04] JPL: […] Übrigens, hüten Sie bitte Ihre Zunge. Alles, was Sie tippen, wird live auf der ganzen Erde verbreitet.
[12:15] WATNEY: Seht mal da! Zwei Titten! -> (.Y.)

(S. 185)

Jedenfalls habe ich das Buch regelrecht verschlungen. Eindeutige Leseempfehlung!

Wolf Haas – Verteidigung der Missionarsstellung

Nachdem ich über den Marsianer schon so viel geschrieben habe, hier nur ganz kurz: Eine ganz besondere Liebesgeschichte. Hier mal ein Zitat:

„Was ist los mit dir?“
„Wie in einer ewig aufwärtslaufenden Kreisbahn des Malers Escher siehst du von der Seite netter aus als von vorn, von hinten netter als von der Seite, von der anderen Seite netter als von hinten, von vorn netter als von der anderen Seite, und so geht es dahin in einem sich ewig hochschaukelnden Paroxysmus, ähnlich der vernichtenden Kettenreaktion eines epileptischen Anfalls, ein Gefühl der Unendlichkeit stellt sich ein, als hätte man es gewagt, das Tarski’sche Verbot der Vermischung von Objekt- und Metasprache zu übertreten“, hätte er fast gesagt. […] Aber Benjamin Lee Baumgartner wusste, dass er augenblicklich ausgeschissen hätte, wenn er sich als studentischer Angeber verraten, als philosophischer Schwätzer und Fremdwörterbuchblätterer enttarnen und mit seinem Lieblingsthema, dem Verbot der Vermischung von Objekt- und Metasprache, aufzugeigen versuchen würde.

Darum sagte er nur:
„Was soll los sein?“

(S. 33f)

Besonders ist das Buch unter anderem auch, weil in dem Buch jemand irgendwann anfängt, das Buch zu lesen. Ok, das passiert in der Unendlichen Geschichte auch. Aber hier werden, soweit ich das sehen kann, die ersten 114 Seiten nochmal abgedruckt, in schnell bis zur Unkenntlichkeit kleiner werdenden Buchstaben:

Das Buch „Verteidigung der Missionarsstellung“ enthält sich selbst (S. 156f)
Das Buch „Verteidigung der Missionarsstellung“ enthält sich selbst (S. 156f)

Matt Ruff – Fool on the Hill

Diesmal aber wirklich kurz. Ich wüsste eh nicht genau, was ich über dieses Buch sagen sollte. Ich meine, was ist das für ein Buch? Eine Liebesgeschichte? Eine Geschichte über die Liebe? Ein Sommernachtstraum? Ein Fantasy-Roman? Irgendwie alles. Die Wikipedia fasst die Handlung so zusammen:

The novel is the story of two authors. Cornell University resident and author Stephen Titus George finds that his real life is becoming the main plot of a retired god, known as Mr. Sunshine. Mr. Sunshine, as god, prefers to create his works in real life instead of on paper. Stephen Titus George decides to fight with Mr. Sunshine about the authorship and outcome of the work.

On the stage of Cornell campus a rich set of secondary characters appears, like Cornell student Aurora Borealis Smith with whom Stephen Titus George falls in love, Ragnarok, the Bohemians, a dog named Luther, a cat named Blackjack, Puck, Calliope, a fire-breathing paper dragon as well as evil forces like Rasferret the Grub, a mannequin called Rubbermaid and an army of rats. The drama then unfolds, telling the story of the battle between Good and Evil and the efforts of the two authors to write the story towards either a happy ending or a tragic greek drama.

Jedenfalls auch ein großartiges Buch.

Titelbild: by Patrik Göthe via free-images.cc

Wochenrückblick 11/2014

Ich hatte hier schon mal What if? vorgestellt, den Blog, in dem Randall Munroe, der Autor von XKCD, „wirklich wissenschaftliche Antworten auf absurde hypothetische Fragen“ beantwortet. Im aktuellen Beitrag beispielsweise, ob es möglich wäre, mit einer Radarpistole ein Auto anzuhalten, wenn die Pistole nur genug Strahlung aussenden würde. Interessanter als diese Frage ist aber, dass Munroe ein What-if-Buch herausbringt: What if? Was wäre wenn? – Wirklich wissenschaftliche Antworten auf absurde hypothetische Fragen. Das Buch erscheint aber erst im September. Da ist also warten angesagt, oder weiter Munroes Blog lesen.

Bis es so weit ist, könnt ihr mir beim Dinosaurier-Ausgraben zusehen:

Wenn einem langweilig ist, gräbt man entweder Dinos aus, oder schaut mal nach, durch welche Suchbegriffe die Leute auf dem eigenen Blog landen. Letztens hat jemand nach „ist brief vom bundesverwaltungsamt sehr wichtig“ gesucht. Wenn ich mich da so an den Brief vom Bundesverwaltungsamt erinnere, den ich bekommen habe, würde ich sagen: nein.

Diese Woche hab ich mir wieder sehr viel notiert, was ich hier schreiben wollte. Lag wohl daran, dass ich krank war. Deswegen wird es diese Woche wohl wieder einen Halbwochenrückblick geben. Drum hier zum Schluss noch etwas, was ich bei Fefe gefunden hab. Das Gendern von Texten geschieht ja mit einem durchaus unterstützenswerten Ziel, auch wenn man sich darüber streiten kann, ob das Gendern wirklich zielführend ist und ob die Umsetzung im Einzelfall gelungen ist. Das Fass will ich jetzt aber nicht aufmachen. Was Fefe da aber verlinkt, ist absurd… Falls einx dxs Unterstützxs dieser Schreibweisen das lesen sollte, bitte nicht wütend werden. 😀

Spielwies’n 2011 – Geistesblitz

Dieser Artikel ist Teil 3 in der Reihe Spielwies'n 2011

Nach Uluru und Qwirkle war Geistesblitz das dritte Spiel, das wir auf der Spielwies’n gespielt haben (soweit ich mich erinnere).

Das Spiel ist etwas verwirrend aber ganz witzig. Es gibt fünf Figuren: einen roten Sessel, eine grüne Flasche, ein blaues Buch, einen weißen Geist und eine graue Maus. Außerdem gibt es Karten, auf denen jeweils zwei dieser Figuren abgebildet sind, allerdings in der Regel in den falschen Farben.

Es wird immer eine Karte aufgedeckt, und dann muss man sich die Figur schnappen, die nicht auf der Karte abgebildet ist, d.h. weder deren Farbe noch die Figur selbst. Wenn auf der Karte also beispielsweise ein blauer Geist und eine rote Maus abgebildet ist, dann muss man sich die Flasche schnappen, weil auf der Karte weder eine Flasche noch etwas grünes ist.

Wenn allerdings auf der Karte eine Figur in der richtigen Farbe abgebildet ist, dann muss man sich diese Figur schnappen. Wer sich als erstes die richtige Figur schnappt, bekommt einen Punkt. Wer sich was falsches schnappt, verliert einen Punkt an den, der es richtig hatte.

Wie gesagt, verwirrend, aber amüsant. Und für Kinder geeignet, und für wenig Spieler und für viele Spieler…

Shanghai

Es soll ja einen ganzen Tourismuszweig geben, der Schauplätze von berühmten Romanen oder Filmen bedient (z.B. für Twilight). So ganz kann ich das nicht ganz nachvollziehen. Andersherum dagegen finde ich das ganz interessant, wenn in einem Roman Schauplätze vorkommen, an denen ich schon mal war.

Zum Beispiel in Frank Schätzings Buch Limit, das ich gerade lese. Dort besucht eine illustre Gruppe von Leuten den Mond. Ach nein, falscher Handlungsstrang. Shanghai, da war ich schon.

Jedenfalls wurde in Schätzings Buch eine Achterbahn auf dem World Financial Center gebaut, dem (zumindest momentan) mit knapp 500m höchsten Gebäude Chinas und dritthöchsten der Welt. Mit Looping durch das Loch in der Spitze, die dem Turm den Namen Flaschenöffner eingebracht hat. Das und die Beschreibung Shanghais ist natürlich viel interessanter, wenn man die Stadt schonmal gesehen hat. Aber andersherum – ich weiß nicht…

Lückentext

Was Austin Kleon mit Zeitungen und einem Schwarzen Stift macht, nämlich Gedichte dadurch entstehen lassen, indem er die Zeitungsseite schwarz färbt und nurnoch einzelne Wörter übrig lässt, das macht Jonathan Safran Foer in ähnlicher Form mit einem Buch und einer Schere, sozusagen. Daraus entstand sein Buch Tree of Codes.

Im Gegensatz zu den großteils schwarzen Seiten bei Kleon sind die Seiten hier großteils nicht vorhanden und lassen den Blick auf die dahinterliegenden Seiten und damit Wörter zu, was das Lesen wohl einerseits gewönungsbedürftig aber auch interessanter macht.

Hier gibts ein paar Bilder zur Produktion des Buchs.

Foto von Elena Torre unter CC-Lizenz Creative Commons Lizenzvertrag

Seele und Kerze

Dieser Artikel ist Teil 2 in der Reihe Gefährliche Ideen

Jetzt will ich doch noch mal zurückkommen auf die im vorletzten Artikel „Seelencode“ gestellte Frage, welche Auswirkungen es auf das Verhalten und Denken der Menschen hätte, wenn es keine Seele gäbe und wenn die Menschen dies wüssten?

Diese Frage ist dem Beitrag „Einwände gegen die Seele“ von Paul Bloom aus dem Buch „Was ist Ihre gefährlichste Idee?: Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit denken das Undenkbare“ entnommen.

Denn das ist es, was die Idee der Nichtexistenz der menschlichen Seele für Bloom so gefährlich macht. Es würde schließlich bedeuten, dass zwischen Mensch und Tier kein wirklicher qualitativer Unterschied besteht. (Hierzu gibt es auch einen eigenen Beitrag in „Was ist Ihre gefährlichste Idee?“ von Irene Pepperberg.) Das wiederum würde dann entweder — je nach Sichtweise — die Tiere auf unsere Stufe heben (dann könnte man kein Fleisch mehr guten Gewissens essen) oder uns auf die Stufe der Tiere sinken lassen (dann sähe es für die Menschenrechte schlecht aus).

Nebenbei: Einen ganz netten Podcast zum Thema Seele gibt es hier: SWR2 Wissen – „21 Gramm Ewigkeit – Auf den Spuren der Seele.“ Besonders interessant fand ich da die Stelle ab 12:56 wo Reinkarnation damit verglichen wird, wie man mit einer Kerzenflamme eine andere Kerze anzünden kann.
Bei 17:43 kommt dann ein Neurochirurg zu Wort, was wiederum zu dem passt, was John Horgan in „Was ist ihre gefährlichste Idee?“ geschrieben hatte. Dort taucht auch folgendes Zitat von Francis Crick auf, dem Mitentdecker der DNS-Struktur:

„Lewis Carrolls Alice aus dem Wunderland hätte es vielleicht so gesagt: Sie sind nichts weiter als ein Haufen Neuronen.“ (Was die Seele wirklich ist, Francis Crick)

Dieses Zitat verwendet auch V. S. Ramachandran in seinem Beitrag „Die gefährliche Idee Francis Cricks“, in dem es wiederum um die Frage geht, ob unser gesamtes Bewusstsein und unsere Wahrnehmung allein durch die Neuronenaktivität erzeugt wird. Ich finde ja, dass das gar keinen großen Unterschied machen würde.

Seelencode

Dieser Artikel ist Teil 1 in der Reihe Gefährliche Ideen

Zu meinem erfolgreichen Abschluss der Promotion habe ich am Freitag von Michi (sein Blog: psyfessional) ein anscheinend sehr interessantes Buch geschenkt bekommen: „Was ist Ihre gefährlichste Idee?: Die führenden Wissenschaftler unserer Zeit denken das Undenkbare


Darin kommen 108 Wissenschaftler zu Wort, zu der Frage zu Wort, welche Idee sie für gefährlich halten. Genauer:

Welche (nicht unbedingt originelle) Idee halten Sie für gefährlich, nicht weil sie falsch, sondern weil sie wahr sein könnte?

In den ersten beiden Beiträgen äußern sich John Horgan und Paul Bloom zu der Frage nach der Existenz der menschlichen Seele. Hier stellen sich im Grunde zwei Fragen: Was versteht man unter „Seele“? Und welche Auswirkungen hätte es auf das Verhalten und Denken der Menschen, wenn es keine Seele gäbe und wenn die Menschen dies wüssten?

Letzteres ist durchaus interessant, zumal ich über diese Frage vorher noch nie nachgedacht hatte. Und die Frage, was man unter Seele denn versteht, (und damit zusammenhängend die Frage, ob sie allein den materiellen chemischen/elektrischen/physikalischen Prozessen im Körper entspringt, und ob das überhaupt wirklich von Bedeutung ist) muss natürlich auch gestellt werden.

Aber viel interessanter fand ich, was John Horgan über den neuralen Code schreibt, d.h. darüber, wie die elektrischen Impulse in unserem Gehirn im Zusammenhang stehen zu unseren Empfindungen, Gefühlen, Erinnerungen usw. Vor nicht allzulanger Zeit war standen wir vor einem ähnlichen Problem: der Entschlüsselung des genetischen Codes. Mit der Entdeckung der Doppelhelixstruktur der DNS hat sich dieses Problem aber im Prinzip gelöst. Und Horgan vermutet, dass dies in absehbarer Zeit auch für den neuralen Code geschehen wird. Wir werden also besser verstehen, wie unsere Denk- und Empfindungsprozesse funktionieren, und werden sie auch gezielt beeinflussen können, schreibt er.

Horgan schreibt z.B. von Implantaten, mit denen man Menschen fernsteuern könnte… gruselig…

Austin Kleon

Das ist auch eine schöne Art von Poesie, die Austin Kleon da praktiziert. Über Spreeblick bin ich auf sein Buch Newspaper Blackout gestoßen.

Kleon nimmt darin Zeitungsseiten, und schwärzt sie, sodass nur noch einige Wörter übrigbleiben. Hier eine Seite aus seinem Buch:

Das ist wie ein Bildhauer, der aus einem Block Marmor ein Kunstwerk schafft, indem er einfach alles weghaut, was nicht zur Statue gehört. 🙂

Bilder von Austin Kleon unter Creative-Commons-Lizenz Creative Commons License