USA ’15 #20

Eine Sache, die die USA deutlich von Deutschland unterscheidet, ist das mit dem Trinkgeld. Nicht nur, dass anscheinend jeder dort ein Trinkgeld erwartet (der Hotelangestellte, der meinen Koffer aus dem Hinterzimmer geholt hat, als ich einchecken durfte, war jedenfalls einigermaßen sauer, als ich meinen Koffer entgegengenommen habe, ohne daran zu denken, Trinkgeld zu geben).

Aber auch in Restaurants, wo man hier auch Trinkgeld gibt, ist es anders. Ein Trinkgeld von 15–20% wird auch bei schlechtem Service erwartet und ist manchmal auch praktischerweise schon automatisch in die Rechnung mit eingerechnet.

SandwichWenn ein so hohes Trinkgeld halt einfach so üblich wäre, wie bei uns eben die 10%, dann hätte ich damit auch kein Problem. Aber in den USA ist es wohl so, dass Bedienungen unterhalb des Mindestlohns bezahlt werden und den Rest mit dem Trinkgeld aufstocken müssen.1 Und eigentlich seh ich es nicht ein, es zu unterstützen, dass Restaurantbetreiber ihre Angestellten zu Hungerlöhnen anstellen, um die Preise auf der Karte künstlich niedrig zu halten. Mal ganz davon abgesehen, dass der Koch mindestens genau so wichtig ist für einen gelungenen Restaurantbesuch. Wieso sollte ich also nur die Bedienung belohnen? – Ach ja, weil der Restaurantbetreiber ihr ja zu wenig bezahlt. Das System gefällt mir überhaupt nicht.

Und es gibt wohl auch immer mehr Lokale in den USA, denen das auch nicht gefällt und die das Trinkgeldgeben bei sich abschaffen. „Wenn nur einige bestimmte Personen im Team Trinkgeld bekommen, führt das unweigerlich zu Spannungen“ sagt ein Restaurantbesitzer im Focus. Dadurch werden natürlich die Preise auf der Karte teurer, aber es sind inzwischen gar nicht so wenige Restaurants, die das z. B. in New York machen.

Ein nächster Schritt wäre dann, dass alle Geschäfte auch die Steuer schon in den Preis einrechnen und man an der Kasse auch das zahlt, was auf dem Preisschild steht. Aber eines nach dem anderen.

  1. Beziehungsweise gibt es für Jobs mit Trinkgeld einen speziellen Mindestlohn von grandiosen 2,13 Dollar pro Stunde.
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