Alphabete

Wann hast du das letzte Mal einen Brief geschrieben? Nicht am Computer oder der Schreibmaschine, sondern ganz altmodisch mit der Hand. Ich glaube, bei mir war es vor anderthalb Jahren die Kündigung meines Mietvertrags in Augsburg. Entweder hatte ich kein Druckerpapier mehr oder keine Druckertinte. Aber das soll nicht das Thema sein.

Wir verlernen vielleicht nicht zu schreiben, weil wir nur noch am PC oder Smartphone kommunizieren, aber die Sprache beeinflusst das auf jeden Fall. Zucke nur ich jedesmal innerlich zusammen, wenn jemand „lol“ sagt oder „wtf“? Sagt, nicht schreibt. Aber das soll auch nicht das Thema sein.

Ich habe vor ein paar Wochen in der Süddeutschen gelesen, dass die Chinesen ihre Schrift in zunehmendem Maß nur noch passiv beherrschen, da schriftliche Kommunikation dort wie hier immer mehr über Computer und Smartphones abläuft. Und dort werden die chinesischen Zeichen üblicherweise über ihre Pinyin-Umschrift eingegeben. Man gibt also sozusagen in lateinischen Buchstaben ein, wie das Wort klingt, und dann bekommt man die chinesischen Zeichen angezeigt, die darauf passen, und braucht nur noch das richtige auszuwählen.

Irgendwie erinnert mich das an die Autokorrektur von Smartphones. Verlieren wir dadurch unsere Rechtschreibkenntnisse? Hoffentlich nicht.
Das Problem mit der Rechtschreibung kommt doch meistens daher, dass die Zuordnung der Aussprache eines Worts zu seiner Schreibweise nicht eindeutig ist. Also, dass beispielsweise das Wort „Musik“ genausogut „Muhsiek“ geschrieben werden könnte.
Ich weiß gar nicht, ob es überhaupt je irgendwo ein Alphabet gegeben hat, in dem wirklich alle vorkommenden Laute eindeutig einem Buchstaben zugeordnet waren. Üblicherweise hat man ja das Alphabet aus einer anderen Sprache übernommen und angepasst. Unser Alphabet ist ja (bis auf ß, ä, ö und ü) das lateinische Alphabet, das die Römer von den Etruskern hatten, deren Alphabet auf dem Griechischen basiert, die sich wiederum bei den Phöniziern bedient haben, usw…

Wie auch immer. Ich wollte ja über die Chinesen schreiben. Was spräche denn für die Chinesen dagegen, die alten Schriftzeichen abzuschaffen und aufs lateinische Alphabet mit der Pinyin-Umschrift umzusteigen? Ja, ok, man schafft nicht so einfach einen jahrtausendealten Teil seiner Kultur ab. Aber praktischer wäre es. Und in der Regierungsform wohl auch durchsetzbar…

Ein Kommentar

  1. Interessanter Gedanke!
    Die Veränderung einer Sprache wird aber immer als immenser kultureller Angriff gewertet. Das ist der Grund, warum es bei der Rechtschreibreform im deutschen Sprachraum so einen Zoff gab (und das waren ja nur marginale Änderungen) und auch in der Türkei hat es lange gedauert, bis sich alle daran gewöhnt hatten, dass der Atatürk das lateinische Alphabet eingeführt hat.
    Eigentlich hat es wohl so lange gedauert, bis genügend Alte wegstarben, weil genau diese Bevölkerungsschicht durch so große Reformen ihre Teilhabe an der Kultur von heute auf morgen abgeschnitten bekommen.
    Sprache gehört wie ich finde den Menschen, die sie benutzen; wenn sie sich durch Benutzung ändert, bittesehr. Und indem man den Jungen immer das beibringt, was gerade Konsens oder Durchschnitt ist, gewährleistet man, dass sich möglichst viele Lebende verstehen. Mehr ist nicht nötig.

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