Proteste in Stuttgart

Ich habe mir gerade den ARD-Brennpunkt „Stuttgart 21 – Aufstand gegen ein Großprojekt“ von gestern Abend angesehen. Das 16-minütige Video zieht sich teilweise zwar ein wenig, ist aber dennoch sehenswert.

Etwa bei 3:22 vor Schluss wird Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, die Frage gestellt, wo der Rechtsstaat hinkomme, wenn demokratisch legitimierte Entscheidungen nichts zählen sollen. Özdemir gibt darauf genau die Antwort, die vorher schon in einer Karikatur gesehen hatte (die ich aber leider nicht mehr finde, drum müsst ihr euch das Video ansehen).

Ich verstehe bei der ganzen Sache zwei Sachen nicht. Nein, eine Sache verstehe ich nicht, und die andere gefällt mir nicht.

Was ich nicht verstehe ist, wieso diese Proteste denn erst begonnen haben, als der Umbau schon im Gange war? Gut, vermutlich gab es vorher schon Proteste, und jetzt durch den Medienrummel sind es einfach mehr geworden. Aber trotzdem kommt das irgendwie reichlich spät. Wie ich schon mal geschrieben hatte: Hier in Augsburg schafft man doch auch, Baumaßnahmen zu stoppen, vorzeitig und unblutig: indem man immer wieder Bürgerbegehren zur Neuplanung des Umbaus veranlasst.

Hier in Augsburg bei der Sache mit dem längst überfälligen Umbau des Kös und des Hauptbahnhofs bin ich zumindest klar für einen schnellen Umbau und gegen die Tunnellösung, über die wohl bald per Bürgerbegehren entschieden wird. Nicht weil ein Tunnel nicht cool wäre und bestimmt die Innenstadt entlasten würde. Nicht weil man beim Graben des Tunnels ständig auf Fundstücke aus der Römerzeit und auf Bomben aus dem zweiten Weltkrieg stoßen würde. Sondern weil Königsplatz und Hauptbahnhof endlich mal umgebaut werden müssen und weil durch die Verzögerung irgendwie die Finanzierung kippt.

Aber wie ist das bei Stuttgart 21? An sich klingt das ja ziemlich klasse: Den Kopfbahnhof mitsamt dem breiten Band von Gleisen, das die Stadt verschandelt und spaltet, unter die Erde zu verlegen. Gut, dass Kosten bei sowas immer höher ausfallen als erwartet, ist irgendwie klassisch, aber es ist ja irgendwie für einen guten Zweck. Dass die Planung der neuen Gleisstrecken nicht ganz optimal ist, mit den eingleisigen Strecken, auf denen S-Bahnen und ICEs gleichzeitig fahren müssen und so, ist natürlich idiotisch, aber war das nicht vorher bekannt? Wieso dann erst jetzt der Protest? Wo ich verstehe, dass Leute sich aufregen und sehr emotional protestieren, ist die Fällung der alten Bäume. Na gut, aber da muss man eben abwägen…


Ich wollte noch schreiben, was mir nicht gefällt. Bei manchen Äußerungen zum Polizeieinsatz bei den Demonstrationen hört man heraus, dass manche Leute sich durch die Ereignisse jetzt in ihrem Protest gegen Stuttgart 21 noch weiter bekräftigt sehen. Das ist doch Unsinn! Die Ausschreitungen haben doch erstmal nur gezeigt, wie notwendig eine eindeutige Kennzeichnung von Polizisten ist, und dass die Bundeswehr auf keinen Fall im Inneren eingesetzt werden sollte (von Katastrophenhilfe mal abgesehen).

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