Höhlengleichnis und Schattenkunst

Kürzlich bin ich über Glaserei auf folgende genialen Werke von Tim Noble und Sue Webster gestoßen:


Auf Illusion 360 gibt es noch weitere dieser genialen Schattenkunstwerke zu bewundern.

Als ich diese Bilder sah, musste ich an Platons Höhlengleichnis denken. Wenn ich die Möglichkeit hätte, eine schon verstorbene Person zu treffen, dann stünde Platon ganz weit oben auf der Liste der Kandidaten. Denn bei seinen in Dialogform geschriebenen Werken ist es hin und wieder so, dass ein Dialogpartner irgendwann nur noch einsilbig zustimmt. (Altphilologen mögen mich bitte glimpflich behandeln, wenn ich Platon hier Unrecht tue.) Aber hin und wieder würde ich da zu gern den Dialogpartner spielen und ein „aber“ hineinwerfen. Kein bedeutungsarmes „δέ“, sondern ein richtiges „ABER“.

Zum Beispiel beim Höhlengleichnis. Ich setze mal von meinen gebildeten Lesern voraus, dass sie das Gleichnis kennen. Wenn dies nicht der Fall sein sollte: Nachlesen! (Oder in Buchform: Der Staat (Politeia).) Jedenfalls würde ich gerne einwenden, woher denn klar sei, dass die Welt außerhalb der Höhle die Richtige, Wirklichere ist; ob man das ganze Gleichnis nicht umdrehen könnte, und die Menschen von draußen in die Höhle zwingen und somit ihnen den wahren Blick auf die Dinge geben. Platon schreibt ja, dass die die aus der Höhle in die Sonne treten, erst einmal blind sind, und dass aber auch die die vom Licht in die Höhle gehen erst einmal nichts sehen. Das lässt sich wunderbar vertauschen. Und ich würde Platon zu gerne fragen, wer denn und wie man denn beurteilen kann, welche Welt denn nun die Wahre ist.

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