Mrz 31 2010
Ich hatte ja in einem vergangenen Artikel unserem Bischof Mixa widersprochen, der einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindesmissbrauch strikt geleugnet hat. Mit diesem Widerspruch meinte ich natürlich nicht, dass der Zölibat der Hauptgrund für Kindesmissbrauch sei, und ich konnte auch nicht belegen, dass zölibatäres Leben sowas zumindest fördert.
Dazu bräuchte man entweder gute Statistiken zu Kindesmissbrauchsfällen, oder eine diesbezügliche Studie. Letzteres gibt es anscheinend. Darauf hat mich die “Außenansicht” des emeritierten Professors für ökumenische Theologie Hans Küng in der Süddeutschen Zeitung vom 17. März gebracht. Darin verweist Küng auf die 25 Jahre langen Studien von Richard Sipe. Diese Studien belegen, dass die “zölibatäre Lebensform [...] pädophilen Neigungen Vorschub leisten” kann. Der Text ist hier auch online verfügbar.
Auf http://www.richardsipe.com/ werden anscheinend die Ergebnisse dieser Studien vorgestellt. Ich habe momentan leider keine Zeit, das zu lesen. Daher gebe ich das mal unbesehen weiter.
Bild von Wikimedia Commons.
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Mrz 2 2010
Nach den jetzt zutagetretenden Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche müssen die ganzen Fälle natürlich untersucht, aufgearbeitet und bestraft werden.
Aber genauso muss man sich fragen, wie man dafür sorgen kann, solche Missbrauchsfälle in Zukunft einzudämmen. (Sie ganz zu verhindern ist, realistisch betrachtet, nicht zu erwarten.)
Wenn das stimmt, was ich bei Fefe gelesen habe, nämlich dass der Vatikan 1962 die Bischöfe der ganzen Welt instruiert hat, Missbrauchsfälle geheimzuhalten, und dass Ratzinger 2001 — damals als Präfekt der Glaubenskongregation — in einem zweiten Rundschreiben bestätigt hat, dass dies weiterhin gelten soll, wenn das also stimmt, dann sollte zuallererst diese Geheimhaltungsweisung aufgehoben werden.
In dem Interview mit dem emeritierten Theologieprofessor Hermann Häring, von dem ich schon geschrieben habe, habe ich erfahren, dass mit den Staatskirchenverträgen den Kirchen einige Privilegien, aber auch eine gewisse Grauzone geschaffen wurde. Ich muss mir mal, wenn ich Zeit hab, durchlesen, was diese Verträge eigentlich umfassen, z.B. hier beim Institut für europäisches Verfassungsrecht der Uni Trier. Jedenfalls wäre es vielleicht an der Zeit, diese Verträge mal zu überdenken, zumal sie ja teilweise auch unter ganz anderen Voraussetzungen unterzeichnet wurden (siehe Reichskonkordat). Ich weiß auch nicht, wie sehr den Kirchen bei der Auslegung und Ausübung der Staatskirchenverträge auf die Finger geschaut wird, aber da sollte irgendeine Art von Kontrollinstanz her, falls es die noch nicht gibt.
Und drittens sollte mal ernsthaft über den Zölibat nachgedacht werden. Es wäre natürlich Unsinn, dem Zölibat die alleinige oder die Hauptschuld zuzuweisen, aber eine gewisse Mitschuld an dem Missbrauch trägt er bestimmt, denke ich — und damit bin ich nicht allein.
Foto von Manfred Hartmann 
[Update:] Zu diesem Thema siehe auch den Artikel bei Poised.
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Feb 24 2010
Gestern abend habe ich auf Deutschlandradio Kultur ein ganz interessantes Interview mit dem emeritierten Theologieprofessor Hermann Häring zu den aktuellen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gehört.
Darin befasst sich Häring u.a. mit dem Zusammenhang zum Kirchenrecht und den Staatskirchenverträgen. Er erklärt, wieso die jetzt aufkommenden Missbrauchsfälle großteils in den 60er- und 70er-Jahren geschehen sind, und was das Ganze mit der Priesterausbildung zu tun hat.
Zum Schluss fordert er, die “Priesterausbildung, die muss offensiv und ganz ausdrücklich die Frage der Sexualität angehen”, und die “Studenten, die Kandidaten müssen auf Sexualität angewiesen werden, sie müssen sich persönlichen psychologischen sozusagen Untersuchungen, Analysen stellen, um über sich selber Klarheit bekommen”. Außerdem glaubt Häring, “dass das alles letztlich nicht konsequent zum Erfolg führt, wenn man nicht endlich über den Zölibat redet”.
Das ganze Interview gibt es hier nachzulesen oder hier anzuhören:
Interview auf Deutschlandradio Kultur mit Hermann Häring
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