Mrz 2 2010

Katholische Kirche, was jetzt?

Kirche St. Johannis in LüneburgNach den jetzt zutagetretenden Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche müssen die ganzen Fälle natürlich untersucht, aufgearbeitet und bestraft werden.

Aber genauso muss man sich fragen, wie man dafür sorgen kann, solche Missbrauchsfälle in Zukunft einzudämmen. (Sie ganz zu verhindern ist, realistisch betrachtet, nicht zu erwarten.)

Wenn das stimmt, was ich bei Fefe gelesen habe, nämlich dass der Vatikan 1962 die Bischöfe der ganzen Welt instruiert hat, Missbrauchsfälle geheimzuhalten, und dass Ratzinger 2001 — damals als Präfekt der Glaubenskongregationin einem zweiten Rundschreiben bestätigt hat, dass dies weiterhin gelten soll, wenn das also stimmt, dann sollte zuallererst diese Geheimhaltungsweisung aufgehoben werden.

In dem Interview mit dem emeritierten Theologieprofessor Hermann Häring, von dem ich schon geschrieben habe, habe ich erfahren, dass mit den Staatskirchenverträgen den Kirchen einige Privilegien, aber auch eine gewisse Grauzone geschaffen wurde. Ich muss mir mal, wenn ich Zeit hab, durchlesen, was diese Verträge eigentlich umfassen, z.B. hier beim Institut für europäisches Verfassungsrecht der Uni Trier. Jedenfalls wäre es vielleicht an der Zeit, diese Verträge mal zu überdenken, zumal sie ja teilweise auch unter ganz anderen Voraussetzungen unterzeichnet wurden (siehe Reichskonkordat). Ich weiß auch nicht, wie sehr den Kirchen bei der Auslegung und Ausübung der Staatskirchenverträge auf die Finger geschaut wird, aber da sollte irgendeine Art von Kontrollinstanz her, falls es die noch nicht gibt.

Und drittens sollte mal ernsthaft über den Zölibat nachgedacht werden. Es wäre natürlich Unsinn, dem Zölibat die alleinige oder die Hauptschuld zuzuweisen, aber eine gewisse Mitschuld an dem Missbrauch trägt er bestimmt, denke ich — und damit bin ich nicht allein.

Foto von Manfred Hartmann Creative Commons License

[Update:] Zu diesem Thema siehe auch den Artikel bei Poised.


Feb 21 2010

Mixa und die sexuelle Revolution

Unser Mixa mal wieder…

Da les ich am Mittwoch in der Süddeutschen seine Äußerungen zu den aktuellen Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche (S. 6, “Mixa geißelt die Medien”; voriger Link führt zu einem ähnlichen Text). Mixa hat gesagt, dass die zunehmende Sexualisierung der Öffentlichkeit an den Kindesmissbrauchsfällen “sicher nicht unschuldig” sei. Kann schon sein. Vielleicht hat das die Hemmschwelle herabgesetzt. Vielleicht hat es aber auch zu einer offeneren und aufgeklärteren Gesellschaft geführt. Oder so. Wie auch immer. Diese Aussage find ich so ja ganz in Ordnung, aber zusammen mit Mixas strikter Leugnung eines Zusammenhangs zwischen Zölibat und Pädophilie wird das ganze natürlich etwas schief. Daher wurde Mixa ja auch von Kirche und Politik kritisiert.

Ich meine, man kann genausowenig einen Zusammenhang zwischen Zölibat und Kindsmissbrauch strikt leugnen wie man klar der sexuellen Revolution die Schuld zuschieben kann. Zumal die Organisation der Kirche anscheinend ja auch sehr geübt im Verschweigen von Missbrauchsfällen ist.


Aug 24 2009

Was haben die denn…

Was haben die denn über ihren Köpfen?
Dinge über Köpfen
An der Decke einer Kirche in Memmingen.