Katholische Kirche, was jetzt?

Kirche St. Johannis in LüneburgNach den jetzt zutagetretenden Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche müssen die ganzen Fälle natürlich untersucht, aufgearbeitet und bestraft werden.

Aber genauso muss man sich fragen, wie man dafür sorgen kann, solche Missbrauchsfälle in Zukunft einzudämmen. (Sie ganz zu verhindern ist, realistisch betrachtet, nicht zu erwarten.)

Wenn das stimmt, was ich bei Fefe gelesen habe, nämlich dass der Vatikan 1962 die Bischöfe der ganzen Welt instruiert hat, Missbrauchsfälle geheimzuhalten, und dass Ratzinger 2001 — damals als Präfekt der Glaubenskongregationin einem zweiten Rundschreiben bestätigt hat, dass dies weiterhin gelten soll, wenn das also stimmt, dann sollte zuallererst diese Geheimhaltungsweisung aufgehoben werden.

In dem Interview mit dem emeritierten Theologieprofessor Hermann Häring, von dem ich schon geschrieben habe, habe ich erfahren, dass mit den Staatskirchenverträgen den Kirchen einige Privilegien, aber auch eine gewisse Grauzone geschaffen wurde. Ich muss mir mal, wenn ich Zeit hab, durchlesen, was diese Verträge eigentlich umfassen, z.B. hier beim Institut für europäisches Verfassungsrecht der Uni Trier. Jedenfalls wäre es vielleicht an der Zeit, diese Verträge mal zu überdenken, zumal sie ja teilweise auch unter ganz anderen Voraussetzungen unterzeichnet wurden (siehe Reichskonkordat). Ich weiß auch nicht, wie sehr den Kirchen bei der Auslegung und Ausübung der Staatskirchenverträge auf die Finger geschaut wird, aber da sollte irgendeine Art von Kontrollinstanz her, falls es die noch nicht gibt.

Und drittens sollte mal ernsthaft über den Zölibat nachgedacht werden. Es wäre natürlich Unsinn, dem Zölibat die alleinige oder die Hauptschuld zuzuweisen, aber eine gewisse Mitschuld an dem Missbrauch trägt er bestimmt, denke ich — und damit bin ich nicht allein.

Foto von Manfred Hartmann Creative Commons License

[Update:] Zu diesem Thema siehe auch den Artikel bei Poised.

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