Letzten Freitag war ich in der Premiere von Brechts Herr Puntila und sein Knecht Matti im Stadttheater Augsburg.
Insgesamt wars doch ganz unterhaltsam, aber ein paar Sachen haben mich gestört. Vielleicht war es auch eine schlechte Idee, in ein Stück zu gehen, in dem ich vor einigen Jahren selbst mitgespielt habe. Das war damals auch im Stadttheater, und “mitgespielt” heißt, dass ich dort Akkordeon gespielt hab, zwischen den Szenen, mit ein paarn der Schauspieler.
Das war auch schon das erste Problem, das ich mit der Inszenierung hatte: Mir hat die Musik von Paul Dessau gefehlt. Die Lieder zwischen den Szenen wurden zwar vorgetragen, aber nicht gesungen. Und der immergleiche anachronistische Gitarrenjingle, der zwischen den Szenen, und das Lied Loser von Beck, das während einigen Szenen gespielt wurde, haben einfach nicht gepasst.
Die Idee, Kameras aufzustellen, und deren Bild simultan zum Stück auf eine Leinwand zu projizieren, ist eigentlich ganz gut. Nur wirkte das Spiel mit der Kamera manchmal etwas sinnlos, unmotiviert. Genauso verstehe ich nicht, wieso die Schauspieler manchmal ein Mikrophon verwendet haben. Insbesondere als die Bräute des Herrn Puntila miteinander tratschten, wirkte das wie bei einem schlechten Schultheaterstück, weil sie das Mikrophon hin- und herreichten, was natürlich bewirkte, dass wenn eine der anderen ins Wort fällt, das einfach amateurhaft wirkt. Find ich.
In der Augsburger Zeitung findet sich eine Kritik, in der der Regisseur eine Motivation für die Projektionen gibt: “Ein Gesichtsausdruck [...] könne vieles zum Ausdruck bringen, was sonst auf der Theaterbühne nicht zu vermitteln sei.” Später steht dort die Frage “Misstraut Scheib der Wirkungskraft des Stücks? Oder der seiner Schauspieler?”. Ebenda könnte sich auch eine Erklärung für das (meiner Meinung nach) schreckliche Mikrophon-Benutzen (siehe oben) finden: “Verfremdungseffekte? Brechts Theatertheorie fordert sie: Wir sollen jederzeit wissen, dass wir im Theater sind, sollen in keinem Moment das Spiel mit der Wirklichkeit verwechseln.” Ja, aber ob Brecht wollte, dass man denkt, dass man in einem schlechten Schultheater ist?
Das klingt jetzt alles vielleicht ziemlich schlecht, aber ein schöner Abend war es dennoch.
Und seit der Aufführung rätsel ich, wen Klaus Müller, der heuer den Puntila spielt, damals gespielt hat. Da war er nämlich auch dabei.

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