Archiv für den Monat: Januar 2010

Meine Dissertation

Ich wollte schon lang hier mal möglichst allgemeinverständlich erklären, was ich eigentlich so den lieben langen Tag mache, d.h. worum es denn ein meiner Dissertation eigentlich geht. Das ist gar nicht einfach, denn es ist ja auch schon schwierig genug, einem Mathematiker aus einem anderen Fachgebiet zu erklären, was man macht. Drum hatte ich dafür keine Zeit und werde das wohl erst nach Abschluss meiner Promotion machen können.

Aber ich musste kürzlich eine dreiseitige allgemeinverständliche Präsentation meines Promotionsprojekts verfassen und die veröffentliche ich hier, wo ich sie doch schon geschrieben habe. Drei Seiten ist aber etwas wenig, deshalb habe ich wahrscheinlich soviel weggelassen, dass man nicht mehr erkennen kann, was ich eigentlich mache, und soviel unverständliches reingeschrieben, dass man nichts verstehen kann… :D Aber urteilt selbst:


Im Folgenden möchte ich einen Überblick über das Forschungsgebiet und die wichtigsten Resultate meiner Dissertation geben, die ich in der ersten Hälfte des Jahres 2010 abschließen werde.

Dynamische Systeme

Das mathematische Konzept der dynamischen Systeme hat Anwendungen in vielen anderen Wissenschaften. So lassen sich etwa viele physikalische, chemische und biologische Prozesse mit dynamischen Systemen beschreiben, aber auch in den Wirtschaftswissenschaften wird dieser Zweig der Mathematik verwendet.

Ganz allgemein beschreibt ein dynamisches System die zeitliche Entwicklung eines Systems, beispielsweise die Bewegung eines Pendels, den Verlauf einer chemischen Reaktion oder die Bakterien-Population in
einer Petrischale.

Formal — und an dieser formalen Beschreibung ist man in der Mathematik interessiert — ist ein dynamisches System eine Abbildung \Phi, die einer Zeit t und einem Zustand x einen neuen Zustand \Phi_t x zuordnet — den Zustand, den das System nach Zeit t besitzt, wenn es anfangs im Zustand x war. Außerdem fordert man noch die Flusseigenschaft \Phi_{s+t} x = \Phi_s \Phi_t x für alle Zeiten t und s und alle Zustände x, d.h. wenn das System in x startet ist es nach Zeit s+t im selben Zustand wie, wenn es in \Phi_t x gestartet wäre und man es nach Zeit s betrachtete.

Die Zeit ist hier gewöhnlicherweise entweder eine reelle oder ganze Zahl — reell, wenn man den Zustand des Systems zu jedem Zeitpunkt beschreibt; ganzzahlig, wenn man das System nur in einzelnen diskreten Zeitpunkten betrachtet (z.B. für jeden Tag die mittlere Temperatur an einem Ort). Was die Menge der Zustände (der sogenannte Phasenraum) ist, hängt stark vom betrachteten System ab. Oft ist der Phasenraum der {\mathbb R}^n, \ie die Menge der n-Tupel (x_1,\dots,x_n) reeller Zahlen, oder eine Teilmenge davon. Bei einem Pendel betrachtet man als Zustandsraum beispielsweise den {\mathbb R}^2, also Paare reeller Zahlen, wobei eine Komponente die Auslenkung des Pendels und die andere Komponente die Geschwindigkeit beschreibt.

Eine umfassende Einführung in die Theorie dynamischer Systeme findet sich bei Katok und Hasselblatt. [Introduction to the Modern Theory of Dynamical Systems. Encyclopedia of Mathematics and its Applications. Cambridge University Press, 2006.]

Kontrollsysteme

Wenn man das Verhalten eines dynamischen Systems steuern kann, wenn man also beispielsweise die Rotation eines Pendels mit einem Motor beeinflussen kann, oder die Wärmeverteilung in einem Raum durch Erhöhung der Temperatur eines Heizkörpers, dann lässt sich dies mit Hilfe eines Kontrollsystems modellieren. Dieser Teilbereich der Dynamischen Systeme hat seinen Ursprung und die meisten Anwender in den Ingenieurswissenschaften, aber z.B. auch in der Quantenphysik werden Methoden der Kontrolltheorie verwendet.

Formal wiederum lässt sich ein Kontrollsystem beschreiben durch eine Abbildung \Phi, die einer Zeit t, einem Zustand x und einer Kontrollfunktion u einen neuen Zustand \Phi_t^u x zuordnet — den Zustand, den das System nach Zeit t besitzt, wenn es anfangs im Zustand x war und man zur Zeit s die Kontrolle u(s) angewendet hat.

Eine umfassende Monographie über Kontrollsysteme ist das Buch [The Dynamics of Control. Systems and Control: Foundations & Applications. Birkhäuser, 2000.] von Colonius und Kliemann.

Frequenzanalyse

Ein Detail, das man an dynamischen und Kontrollsystemen untersuchen kann, sind Spektral- und Rotationseigenschaften. Ein einfaches Beispiel ist die Existenz von periodischen Trajektorien, d.h. von Zuständen, die regelmäßig durchlaufen werden. Ein Pendel wird beispielsweise, wenn keine Reibung auftritt, periodisch hin- und herschwingen.

Bei der Analyse von Funksignalen muss man dagegen aus mehreren sich überlappenden Schwingungen diejenigen mit der richtigen Frequenz herausfiltern. Dies gelingt mit Methoden der Fourier-Analyse. Die hierbei verwendeten Fourier-Transformationen sind verwandt mit den in meiner Arbeit untersuchten sogenannten harmonischen Grenzwerten.

Mit Hilfe dieser harmonischen Grenzwerte kann man nachweisen, dass ein System Rotationsverhalten aufweist, in dem Sinne, dass man das System in die komplexe Zahlenebene projizieren kann, sodass die Dynamik dort zu einer einfachen Rotation um die Null wird.

Formal lässt sich dieses Rotationsverhalten dadurch beschreiben, dass man eine nicht konstante Funktion F hat, die Zustände auf komplexe Zahlen abbildet, sodass F ( \Phi_t x ) = \mathrm{e}^{\mathrm{i}<br /> \omega t} F(x) für alle Zeiten t und alle Zustände x gilt, mit einer reellen Zahl \omega, welche die Frequenz der Rotation bestimmt. Man kann zeigen, dass solches Rotationsverhalten gleichbedeutend damit ist, dass der harmonische Grenzwert nicht verschwindet.

Resultate

In meiner Dissertation habe ich die harmonischen Grenzwerte eingehend untersucht, sowohl für zeit-diskrete dynamische Systeme (d.h. für ganze Zahlen als Zeit), für zeit-kontinuierliche dynamische Systeme (d.h. für reelle Zahlen als Zeit) und für Kontrollsysteme. Hierbei konnte ich einige grundlegende Eigenschaften beweisen, beispielsweise was man aus dem Langzeitverhalten oder der Existenz von periodischen Trajektorien, d.h. von Zuständen, die regelmäßig durchlaufen werden, über die harmonischen Grenzwerte folgern kann. Die wichtigsten weiteren Resultate sind die folgenden:

Für zeit-diskrete Systeme, die periodisch durch bestimmte Teilmengen des Zustandsraums “hüpfen” konnte ich zeigen, dass man mit Hilfe der harmonischen Grenzwerte diese Teilmengen rekonstruieren kann. Dies gelingt auch numerisch anhand von Messwerten sehr gut.

Als wichtige Klasse von zeit-kontinuierlichen Systemen habe ich Lösungen von linearen Differentialgleichungen \dot x = A x betrachtet, wobei A eine komplexe oder reelle n \times n-Matrix ist. Hierbei konnte ich einen Zusammenhang der auftretenden Frequenzen mit den Eigenschaften der Matrix A zeigen (genauer: den Imaginärteilen der Eigenwerte).

Für Kontrollsysteme habe ich das sogenannte Kontrollspektrum eingeführt, d.h. die Menge aller Frequenzen, die mit Kontrollen aus einer vorgegebenen Klasse von Kontrollfunktionen erzeugt werden können. Für viele Systeme zeigt sich hier, dass man mit beliebig kleinen Kontrollen beliebige Frequenzen erzeugen kann.

Fazit

Mit dieser Arbeit habe ich die Ideen von Mezic und Banaszuk aus ["Comparison of systems with complex behavior". In: Phsyica D 197 (2004), S. 101–133.] auf solide und mathematisch präzise Beine gestellt, und sie auf zeit-kontinuierliche dynamische Systeme und Kontrollsysteme verallgemeinert. Außerdem konnte ich einige neue Einsichten in diese Methode der Frequenzanalyse geben.

Das Usenet und Hans Joss

Es ist schon einige Zeit her, dass ich regelmäßig Usenet-Beiträge gelesen habe. Das Usenet ist aber anscheinend ohnehin ein aussterbendes Medium, wie diese Statistik der Postinganzahl zeigt:

Schade eigentlich, aber dafür gibt es jetzt ja Blogs. Allerdings gibt es da kein so schönes Verzeichnis aller Blogs, wie es im Usenet der Fall war.

Wer regelmäßig im Usenet unterwegs war (oder noch ist), insbesondere in den Mathematik-, Physik und Theologie-Gruppen, kennt vielleicht noch Hans Joss. Wer ihn nicht kennt oder wer die Erinnerung und das Kopfschütteln auffrischen will, dem seien seine gesammelten Beiträge ans Herz gelegt.

Leider ist seine Homepage “Wegen zu, geschlossen.”, wie er sagt. Aber zum Glück gibt es ja die Wayback Machine.

Googles Vorschläge

Auf Basic Thinking findet sich eine Liste der Vorschläge, die Google bringt, wenn man einzelne Buchstaben ins Suchfeld eingibt:

A – Amazon
B – Bild
C – Cinemaxx
D – Das Örtliche
E – eBay
F – Facebook
G – GMX
H – H&M
I – IKEA
J – Jappy
K – Kino.to
L – Leo
M – MeinVZ
N – Neckermann
O – Otto
P – Postbank
Q – Quelle
R – Routenplaner
S – SchülerVZ
T – Telefonbuch
U – Uhrzeit
V – Vodafone
W – Web.de
X – Xing
Y – YouTube
Z – ZDF

Mit Googles Vorschlägen kann man schon einigen Spaß haben. Gebt doch beispielsweise mal “Meine Freundin” ein und lest euch die Vorschläge durch. Weitere lustige Vorschläge gibts zum Beispiel bei seo-united, gulli und betabuzz.

Conrad Wolfgang über Mathematikunterricht

Auf dem Wolfram|Alpha-Blog Stellt Conrad Wolfgang die Frage, ob es Schummeln ist, wenn man Wolfram|Alpha für seine Hausaufgaben einsetzt. Er beantwortet sie in unten eingebettetem Video mit der These, dass der Mathematikunterricht an sich geändert werden sollte: weg von sturem Rechnen, weg von dem, was Computer besser können, hin zu dem, was Mathematik sonst und eigentlich ausmacht.

Im Grunde stimme ich ihm da zu. Allerdings finde ich, dass man “das Handwerkszeug”, also Rechnen und das, was man sonst so in der Schule lernt, schon lernen und einigermaßen beherrschen sollte. Vielmehr sollte man vielleicht einen gesunden Umgang mit Computer-Mathematik-Programmen lernen. Denn man kann sich nicht immer blind auf die Ergebnisse verlassen. Genauso wie man nicht vergessen sollte, was Bücher sind und wie man sie bedient, um stattdessen nur noch Google zu befragen.

Ich weiß jetzt nicht, ob Wolfram genau diesen Vergleich bringt im Video, aber jedenfalls einen ähnlichen (falls ich mich nicht total täusche): Man muss nicht Assembler-Programmierung beherrschen, um Emails schreiben zu können. Klar. Der Vergleich ist aber recht schief, und würde korrekt übertragen hier bedeuten: Man braucht keine Ahnung von Aussagenlogik zu haben, um etwas ausrechnen zu können.

Wolframs Forderung, Mathematikunterricht mehr auf mathematische Modellbildung auszurichten, ist zwar ganz schön und unterstützenswert. Aber wie das bei den Schülern ankommt, die schon an einfachen Textaufgaben scheitern… Nein, ich bin nicht pessimistisch… :-)

Türen

Über Türen gibt es nicht nur Bagatellen zu schreiben.

Und ich denke jetzt nicht an Douglas Adams’ Türen auf der Herz aus Gold, denen es jedesmal wieder eine Freude ist, sich zu öffnen. Ich denke an die Türen der Straßenbahnen in Augsburg. Denen ist es anscheinend eine richtige Freude, sich zu schließen, bzw. sich nicht zu öffnen.

Jede Baureihe hat da so ihre eigenen Probleme. In den älteren Modellen, die nicht niederflurig sind, sondern richtige Kletterarbeit erfordern, sind an den Türen Handläufe angebracht. Ist man nicht so gut zu Fuß, muss man sich natürlich auf diese Handläufe verlassen. Nur dumm, wenn sich die Türe schließt, während man gerade an ihr hängt.

Die Türen sollten sich natürlich nicht schließen, wenn gerade jemand in ihnen steht. Aber sie tun es dennoch. Eines der etwas neueren Modelle hat anscheinend die Macke, ab und zu die Lichtschranke einfach zu ignorieren. So kann man beobachten dass die Tür immer wieder versucht, sich zu schließen, während noch Leute aus ihr herausströmen. Dabei ist es mir einmal passiert, dass ich, nachdem die Leute ausgestiegen waren, nicht schnell genug reagiert habe, und die Türe sich vor mir geschlossen hat. Ein anderes Mal, als ich an eine solche Tür geriet, wollte das miese Stück mich einklemmen, als ich gerade in ihr stand, weil es sich vor mir kurz staute. Erst ein beherzter Druck gegen die Türe öffnete sie wieder.

Das erinnert mich an die Türen, die es in manchen Zügen der Deutschen Bahn gab, vor nicht allzulanger Zeit (ich hoffe, die gibt es nicht mehr). Also, ich meine Türen im Zuginneren. Wenn denen etwas beim Schließen im Weg war, etwa ein Fuß, ein Körper oder der Rucksack am Körper eines Fahrgasts auf der Suche nach einem Sitzplatz, dann bemerkte das die Türe und drückte einfach mit mehr Kraft gegen das Hindernis.

Bei der zweitneuesten Baureihe der Augsburger Straßenbahnen, den Combinos, kommt es regelmäßig vor, dass die Türen sich erst beim zweiten Drücken auf den außen angebrachten Knopf öffnen. Sollte man wissen, wenn man nicht stehengelassen werden will.

Die neuen CityFlex-Straßenbahnen haten wohl auch Probleme mit den Türen, wie man hört. Mal schauen, welche Macken die noch haben werden. Eine habe ich schon entdeckt, die auch mit den Türen zusammenhängt: Die Türen verdecken im geöffneten Zustand die Anzeige, um welche Linie es sich handelt, zur Hälfte. Immerhin besser als die vielen anderen Straßenbahnen, bei denen von der Seite man garnicht erkennen kann, welche Linie es ist.

Konzertrückblick mit Schweineschnitzel

Samstag war das Konzert von Lyneste im Café am Milchberg (in Augsburg), bei dem ich Cathy auf dem Akkordeon begleiten durfte. Das Konzert war sehr gut besucht (was bei dem kleinen Café auch nicht schwer ist).

Trotz des äußerst guten Gelingens der Generalprobe lief auch der Auftritt sehr gut — bis auf kleine Startschwierigkeiten, die dem musikkritischen Teil des Publikums (meiner Freundin) leider nicht verborgen blieben.

Gefreut hat mich der (wenn auch nur nachträglich mir bekannt gewordene) Besuch von Heidi von Blogsburg.

Nicht gefreut hat mich, dass mein Schweineschnitzel so trocken war.

Jamboree

Heute habe ich die Anmeldung fürs Jamboree 2011 in Schweden ausgefüllt. (“Heute” bedeutet in diesem Zusammenhang “Als ich vorigen Satz geschrieben habe” und ist insbesondere nicht identisch mit dem Veröffentlichungsdatum dieses Artikels).

Die alle vier Jahre stattfindenden Jamborees sind von der WOSM organisierte Weltpfadfinderlager. Zielgruppe sind Kinder von 14-17 Jahren. Leider bin ich, als ich so alt war, nicht auf das Jamboree gefahren, das damals in Chile stattfand. Unsere Leiter haben leider keine Werbung dafür gemacht.

Um das nachzuholen, bin ich 2007 auf das Jamboree nach England gefahren, und jetzt 2011 eben nach Schweden. Und zwar als Helfer. Da zahlt man weniger, und muss sich nicht um Kinder kümmern… :D Stattdessen arbeitet man in einem internationalen Team z.B. im Materiallager oder (wie ich in England) an der Info und der Telefonzentrale.

Mal schauen, ob ich Fotos von England find…

Das ist ein Bild der Eröffnungsveranstaltung. Man sieht nicht viel, weil natürlich die Kinder vorne sind, und die Helfer hinten.

Ich freu mich jedenfalls schon tierisch auf 2011. Jetzt brauch ich nur noch einen Umschlag, um die Anmeldung loszuschicken…