Archiv für den Monat: November 2008

Königliche Kommunikation

Zwei Sachen habe ich heute in der Süddeutschen gelesen – natürlich habe ich mehr gelesen, aber die beiden Artikel haben in meinem Kopf zusammengefunden, sind zusammengezogen, haben geheiratet und viele kleine Kinder bekommen, die schließlich aber auf die schiefe Bild-Bahn geraten sind – so ein Unsinn, zurück zur Sache:

Zuerst (Süddeutsche, 18.11.2008, S. 1, “Der Mitmisch-Monarch”) war über Prinz Charles zu lesen, bzw. erst einmal über seine Mutter. Da hieß es, der Königin Elizabeth “steh[e] nicht einmal eine eigene Meinung zu”, und dass ihre kürzliche Frage, “warum niemand die globale Finanzkrise vorhergesehen habe”, schon haarscharf an der Grenze des Statthaften gewesen sei. Gut, später im Text wird das dadurch abgeschwächt, dass es nur Konvention sei, dass der Monarch seine Meinung zu allem (außer dem regnerischen Wetter) für sich behält, aber dennoch wirkt das auf mich überaus befremdlich. Ich würde keinen König wollen, der sich jeder Meinungsäußerung enthält, das würde entweder uninteressiert, uninformiert oder schlimmer wirken. (Und: Ja, ich habe den Artikel ganz gelesen, mitsamt den Gründen, wieso es zu dieser Konvention gekommen ist.) Dass Prinz Charles diese Konvention brechen will, kann ich sehr gut verstehen.

Später (Süddeutsche, 18.11.2008, S. 8, “Abschied vom Blackberry”) las ich, dass sämtliche schriftliche Kommunikation (geschäftlich ebenso wie privat) von amerikanischen Präsidenten öffentlich gemacht und archiviert wird, also auch Emails und SMS. Ob das Angela Merkel so gefallen würde, die bekanntermaßen (Süddeutsche, 14.11.2007, S. 6, “Die Kanzlerin: Aufgeräumte Stimmung trotz angespannter Lage”) sehr gerne SMS schreibt…

Radfahren in der Fußgängerzone

Dem aufmerksamen Augsburger wird nicht entgangen sein, dass die Fußgängerzonen-Beschilderung in unserer schönen Stadt widersprüchlich ist oder zumindest wirkt. Denn in der Annastraße darf man nicht Radfahren (von der neuen Regelung, dass man abends fahren darf, mal abgesehen). Allerdings steht auf dem Fußgängerzonenschild, das man von der Karolinenstraße kommend sieht, dass das Radfahren erlaubt sei, und über den Rathausplatz kommt man, ohne ein Verbotsschild zu sehen, in die Annastraße.

Ich habe darauf mal eine Dame des Ordnungsdienstes angesprochen. Sie erklärte mir das damit, dass die Fußgängerzone nur auf der Straße gilt, aber nicht auf dem Gehweg, zu dem auch der Rathausplatz gehört. Sie räumte auch gleich ein, dass das aus der Beschilderung nicht ersichtlich sei, und fuhr fort, Geld von Fahrradfahrern einzutreiben.

Mal von der mangelnden Beschilderung abgesehen, glaube ich mich, zu erinnern, dass es in Fußgängerzonen gar keine Gehwege geben darf. (Ich finde dazu jetzt als Quelle nur den Wikipedia-Eintrag zur Fußgängerzone; Juristen-Meinungen sind gerne willkommen). Nun gut, wenn die Fußgängerzone wirklich nur auf der Straße gilt, dann gibt es in dieser Fußgängerzone natürlich keine Gehwege… Man kann sich alles so hindefinieren, dass es passt (ich kenn das, bin ja schließlich Mathematiker).

Ich bin noch auf der Suche nach etwas, das man in Fußgängerzonen darf, aber auf Gehwegen nicht, oder umgekehrt, um diese Regelung ad absurdum zu führen… Für Hinweise bin ich sehr dankbar. Leider kann ich, seit ich mit der Dame vom Ordnungsamt gesprochen habe, nicht mehr guten Gewissens in der Annastraße radfahren. Unwissen ist halt doch ein Segen…

Wieviel Staat braucht der Mensch?

Dieses Thema ist mir in letzter Zeit nun schon mehrfach über den Weg gelaufen: bei einem Gespräch am Lagerfeuer, in diversen Artikeln in der Süddeutschen… Es geht darum, wie der Titel schon andeutet, wieviel Staat, d.h. wieviel staatliche Kontrolle, wieviel staatliches Fördern usw. gut, ideal, notwendig ist. Hierzu würden mir gerade drei große Bereiche einfallen: Kultur, Religion und Politik in einem engeren später noch näher einzugrenzenden Sinne.

Zunächst zur Kultur: Am 30. Oktober war im Bayern-Teil der Süddeutschen ein kurzes, nicht besonders interessantes Interview mit Rochard Goerlich, dem neuen Popkulturbeauftragten der Stadt Augsburg zu lesen. Darin tauchte folgende Frage auf:

Funktionierte Popkultur in Augsburg bisher nicht auch ohne einen Beauftragten wie Erfolge von Bands wie Anajo und Lydia Daher zeigen?

Goerlichs Antwort soll nicht weiter interessieren, zumal ich den Eindruck hatte, dass Goerlich noch keine große Ahnung hat, was er mit diesem neuen Amt anfangen wird. Interessant ist eher, wie und wie stark der Staat, oder hier besser gesagt die Stadt, ins Kulturleben eingreifen, sich daran beteiligen sollte.

Obwohl der Staat natürlich kein Kulturmonopol hat, obwohl es selbstverständlich “freie” Kultur gibt, kann man eine Beteiligung und Förderung des Staates nicht automatisch gutheißen, da wenn das eine gefördert wird, das andere eventuell in den Hintergrund gedrückt wird. Hier von Zensur zu sprechen, wäre übertrieben, aber in diese Richtung geht es, bzw. könnte es gehen. Andererseits sind viele Kultureinrichtungen ohne staatliche Hilfe gar nicht möglich, bzw. wären ohne Förderung für den Besucher sehr viel teurer, wenn nicht zu teuer. Daher könnte eine Nicht-Förderung zu einer Verarmung der Kulturlandschaft führen, wohlgemerkt könnte. Hierzu und zu den anderen Bereichen demnächst mehr und Ausführlicheres.